LT2, Teil 14

Quadrat 14. Text

Orte: Kintai – Klaipėda

Von Kintai führt eine asphaltierte Allee über Sakučiai, Lamsočiai, Venckai nach Priekulė. Wer nach Priekulė/Proküls möchte, der muss hinter Venckai an der T-förmigen Kreuzung links abbiegen und fährt auf Asphalt über Mieželiai nach Svencelė. Der Weg macht einen landschaftlich schönen Bogen und über Dreverna kommt man nach Priekulė.

Alternativweg nach Dreverna.

Wer noch Lust und Kraft hat, der kann am Ortsende von Kintai (an der Abzweigung der Hauptstraße zum Forstamt/ Girininkija) nach links abbiegen und dem Weg am Waldrand durch das Pflanzenschutzgebiet Kintai bis nach Dreverna fahren (Waldweg und Schotter). Dieser an sich sehenswerte Weg kann stellenweise schwer zu befahren sein. Auf ihm fahren die Schwertransporter des Ölhandels der sich nicht weit von hier hinter dem Wald auf dem Weg zum Dorf Svencelė befindet. Dieser Ölbetrieb, der inmitten der Küstenwiesen ein Schandfleck in der Landschaft ist, ruft Unruhe bei den Anwohnern hervor. Der Weg wird immer besser und links eröffnet sich der Ausblick auf die Dünen der Kurischen Nehrung. In Svencelė wurde der Übersetzer und Schriftsteller M. Kybelka geboren.

Svencelė

Nicht weit vom Haff, südlich von Dreverna liegt das Dorf Svencelė. In ihm gibt es einen Heiligen Hügel auf dem das ewige Feuer geschürt wurde.

Die Legende erzählt, das auf diesem “Berg” in grauer Vorzeit ein Riese wohnte. Er hatte auch noch 7 Nachbarriesen. Alle hatten aber nur eine Axt. Deswegen warf ein jeder der Riesen die Axt nach der Arbeit zu seinem Nachbarn, und dieser weiter zu seinem Nachbarn, und dieser weiter … Später wählten die litauischen Urahnen diese Stelle zur Verehrung der Götter.

Nach Svencelė biegen wir auf der Hauptstraße rechts ab und fahren auf Asphalt bis Dreverną. Man kann aber auch auf einem Feldweg links am Haff weiterfahren.

Dreverna (Drawöhnen)

Ein Fischerdorf am Kurischen Haff, das einst an einem Arm des Flusses Minija (Minge) lag. Dreverna war schon im 13. Jh. bekannt. Berühmt sind die verzierten Wetterhähne, die man manchenorts noch sehen kann. Auch neue Häuser werden auf traditionelle Weise mit den Wetterhähnen verziert. Im Nordosten verläuft der “Klaipėda-Kanal” (s.u.). Er ist 24 km lang und 30 m breit. Dieser Ort war für seine großen Fischmärkte berühmt.

Nach Dreverna gibt es zwei Möglichkeiten weiter zu radeln:

a) über Priekulė entlang der Hauptstraße (Asphaltstraße) oder

b) hinter dem Kanal links einbiegen und entlang des Kanals. Letztere Variante ist zwar sehr schön, aber die Wegbeschaffenheit doch eher etwas für geländetaugliche Radfahrer.

Wilhelmkanal/Klaipėdos kanalas

Wer sich für das Abenteuer entscheidet, der fährt an Priekulė vorbei. Man sieht die Überreste von zwei alten Brücken (über die letzte könnte man mit etwas Mut sogar noch fahren… ) Aber auf der anderen Seite befindet sich ein Militärgelände. Das schöne Kanalufer selbst ist ein beliebtes Ausflugsziel und das klare Wasser lädt zu einer Abkühlung ein… Am Ende geht es scharf rechts ab und bei der nächsten Abzweigung links auf eine äußerst fiese Schotterstraße. Diese endet in Klaipėda an der Straße zum Internationalen Fährhafen (links geht’s nach Deutschland und Schweden, rechts oder geradeaus kann man bald die Plattenbauten von Klaipėda Süd sehen).

Der Kanal selbst wurde 1863-1873 ausgegraben. Seine Aufgabe war die unruhige Fahrt über flache kurische Haff zu vermeiden. Seine Länge beträgt 24 km, seine Breite – etwa 30 m. Der Kanal verbindet den Fluss Minija mit dem Kurischen Haff bzw. den Fluss Memel (Nemunas) mit der Stadt Memel (Klaipeda). Er endet im Süden von Klaipėda genau im Alten Holzhafen (Senoji medžio prieplauka) und weist somit auch auf die alte Transportfunktion des Kanals hin. Benannt wurde er nach dem Preußischem König Friedrich Wilhelm III.

Wer die Mühen meidet, dem empfehlen wir die asphaltierte Straße nach Priekulė.

Priekulė (Proküls)

Priekulė findet zum ersten Mal 1540 schriftliche Erwähnung. Nach dem Gutshofbesitzer und Sohn von Paminima Lukas Priekūlis wurde das Dorf benannt. Dieses Städtchen am Flüsschen Minija ist heute ein gutes Beispiel für die typische Küstenarchitektur der Vorkriegszeit besonders mit der Hauptstraße. 1587 wurde in Priekulė eine ev.-luth. Kirche gegründet: Sie ist damit die älteste im Memelgebiet. Zum 450. Stadtjubiläum wurde von den Prökulern der nach dem Krieg gesprengten Kirche ein Denkmal aus weißem Beton gesetzt. Die Schriftstellerin Ieva Simonaitytė (1897-1978), die aus dem Dorf Vanagai in der Gegend stammte, mochte Priekulė sehr. Hier verbrachte sie ab 1960 ihre Sommer. Heute kann man ihr Häuschen in der Vingio g. 11 besichtigen, das sich an Minija-Fluss und Vingis-Park schmiegt. Hier gibt es ein kleines Museum für I. Simonaitytės. 1997 wurde für sie auf dem zentralen Stadtplatz ein Denkmal errichtet (Bildhauerin: Dalia Matulaitė).

Von Priekulė geht’s nach Klaipėda am besten auf der Hauptstraße. Sie hat zwar einen breiten Fahrbahnhand, ist aber verkehrsreich mit vielen Autos, deswegen: Fahren Sie vorsichtig! Alternative dazu können nur Feldwege und Schotterstraßen durch den Wald von Dituva, der Kleinkartensiedlung Dituva, Kintai bis zum Internationalen Fährhafen sein. Wer diesen Weg nehmen möchte, dem empfielt sich eine genauere Karte. Fahren Sie in Klaipėda auf die “Hauptstraße des Friedens” (Taikos prospektas), auf der Sie direkt bis ins Stadtzentrum und die Altstadt kommen. Eine andere Alternative ist, in Prikulė in den Vorortzug nach Klaipėda zu steigen.

Klaipėda (Memel)

Die “Memelburg” wurde 1252 vom Deutschen Orden gegründet und die Stadt feierte also vor kurzem ihr 750jähriges. Heute ist Klaipėda der größte Hafen Litauens, sein Tor zum Meer. Die Stadt unterscheidet sich durch ihre Architektur und dem Pulsschlag einer lebendigen Hafenstadt. Die eigentliche Altstadt brannte im 19. Jahrhundert ab, nach dem Zweiten Krieg waren von ehemals über 40.000 Einwohnern nur noch eine Hand voll übrig, die Stadt lag in Ruinen. Als immer Eis freier Hafen war sie zu Sowjetzeiten eine geschlossene Provinzstadt mit zahlreichen Militärbasen. Der Süden der Stadt wurde mit Plattenbausiedlungen zugepflastert, alle Kirchtürme verschwanden. Die über 200.000 Einwohner sind zu einen großen Teil Russen oder kommen aus “Großlitauen”.

Aber in den Achtziger Jahren wurde die Altstadt restauriert, zahlreiche Straßenzüge erinnern an den Vorkriegsflair. Außerdem wurde die Stadt mit ihren zahlreichen Festivals zu einem Veranstaltungszentrum im Sommer.

Hier gibt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten, Denkmäler, Hotels, Restaurants und Kneipen.

Besonders sehenswert:

Die Altstadt mit dem „Ännchen von Tharau“. Vom Balkon auf dem Theater sprach am 23.3.1939 Hitler anlässlich der Rückkehr Memels zum Deutschen Reich.

Der Skulturenpark auf einem alten Friedhof in der Nähe des Busbahnhofs (am Ende der Fußgängerzone Mažvydo alėja), an dessem Rande auch ein imposantes sowjetisches Kriegsdenkmal steht. Am anderen Ende eine neue kleine orthodoxe Kirche…

Die alte Post – vor allem von innen wegen der alten Holzvertäfelungen.

Ein Großereignis war 1979 die Eröffnung des Meeresmuseum und Aquariums – heute sogar mit Delphinen (Am Nordende der Kurischen Nehrung, das zu Klaipėda gehört). Wer mehr über Klaipėda/Memel wissen möchte, dem empfehlen wir den Kauf eines Stadtplans oder der zahlreichen Publikationen, die man in Buchhandlungen, im Tourismusinformationszentrum, am Kiosks usw. kaufen kann. Besonders ans Herz legen wird das immer aktuelle Heft “Exploring Klaipėda”, das auch auf Deutsch kostenlos über die litauische Küste informiert.

Ende oder Beginn der Tour?

Hier endet (oder beginnt) unsere Reise auf dem “Memelradweg” / „Nemuno dviračių trasa“. Von Klaipėda kann man nach Hause, auf die Kurische Nehrung oder auf weitere Erkundungsreisen an Meer und Hinterland gehen.

Wir sind sehr gespannt auf Ihre Erfahrungen im unbekannten Litauen, Ihre Anregungen und hoffen, dass Sie bald wiederkommen und vielleicht Lettland, Estland oder Ostlitauen per Rad entdecken wollen. Wir helfen Ihnen dabei!