LT2, Teil 12

Quadrat 12. Text

Orte: Juknaičiai – Wald Gudeliai – Šilutė

Alternative: Šilutė-Žalgiriai-Rusnė-Uostadvaris

Juknaičiai oder: vom Aufbau des Sozialismus

Auf dem ersten Blick sieht das Dorf Juknaičiai wie ein neu aus dem Boden gestampfter Ort aus, doch schon im 18. Jh. bestand hier ein größeres Dorf mit einer Schule. Berühmt wurde Juknaičiai aber zur Sowjetzeit. In der UdSSR wurde hier die beispielhafte Propagandasiedlung Juknaičiai (3) errichtet, die sich durch ihre untraditionellen Bauten abhob. Diese Häuser wurden nach Plänen der Architekten E. Vičius und S. Kalinka gebaut. Die Siedlung wurde der Status eines “Städtebaulichen Landschaftsparks von lokaler Bedeutung” zugesprochen. Heutzutage wird versucht, den Ort an die Anforderungen von Erholung und Naturtourismus anzupassen. Umgeben von den Wohnblocks hebt sich das höchste Gebäude hervor: der ungewöhnlich aussehende Wasserturm sowie die Anlage der Tourismus- und Gesundheitsgesellschaft „Juknaičiai“. Drinnen gibt es Hotel, Sanatorium, Schwimmbad und ein gemütliches (!) Restaurant im Wintergarten. Im Zentrum von Juknaičiai gibt auch zahlreiche Skulptūren. Ein großer Teil wurde vom Bildhauer S. Kuzma erschaffen: “Das Pferd und der Falke” („Žirgas ir sakalas“), „Eglė und Žilvinas“ (Nach einer litauischen Legende), “Die Flamme der Freundschaft” („Draugystės liepsna“), „Der Disput“ u.a. Hier seht auch die Skulptur von G. Karalius „Der Engel” (“Angelas“). Die Anwohner sind überzeugt davon, dass diese Skulptur dem Ort Gutes bringt. Am Westrand steht in der Nähe des Friedhofs der Forst der Hoffnung (Vilčių giraitė (4), dessen Eichen und Linden von den Eltern der neu geborenen Kinder gepflanzt werden. 1 km nach Südwesten auf der Hauptstraße kann man die ehem. Kirche und das Pfarrhaus von Vyžai (5) besuchen. Schlüssel zur Kirche hat P. Dambrauskas, der daran erinnert, dieses Gebäude vom Ende des 19. Jh. sei zu Sowjetzeiten Getreidespeicher gewesen, deshalb ist vom einstigen Inneren fast nichts übrig. Im ehem. Pfarramt befinden sich heute Wohnungen. In der Nähe liegt auch der alte Friedhof.

Richtung Šilutė: nehmen Sie ihre Kopfbedeckung ab und verweilten Sie am kleinen Hügel rechts des Weges. Es ist der Opferberg Juknaičiai (Juknaičių alkakalnis (6), die höchste Stelle in der ganzen ehem. Region Šilutė (32,9 m über dem Meer). Er liegt rund 200 m von der Hauptstraße entfernt, erhebt sich kaum 3 Meter aus dem Meer der Felder.

Eine Legende erzählt, dass die Menschen von altersher ihre Mütze abnahmen um den Berg zu grüßen, wenn sie an ihm vorbei kamen. Als einer der Ahnen einmal nicht grüßte, da fuhr plötzlich ein Feuerball den Berg hinunter. Erschrocken sprang er auf den Weg zurückt und rief “Guten Abend, Herr Opferberg!” Und so wurde er gerettet. Eine andere Geschichte bezeugt, dass auf dem Alkos kalnas ein kleiner Gutshof gestanden habe, in dem ein reicher Adeliger wohnte, der die alten Götter verehrte. Die Kreuzritter zwangen ihn zur Taufe, die Götter jedoch straften ihn: Das Gut versank in der Erde. Doch der lange Schornstein hinterließ beim Herabsinken ein Loch im Hügel. Wenn man dort einen Stein hineinwarf konnte man hören wie er auf den Boden des Gutshofes fiel.

Nach dem Besuch von Juknaičiai geht es weiter auf der Hauptstraße über Gaideliai nach Šilutė (8 km). Man kann auch einen Bogen von Juknaičiai nach links über Užliekniai (3 km Asphalt) fahren. Dort kann man rechts über Pagryniai (9 km) auf einem angenehmen nicht asphaltierten Weg fahren. Hinter Pagryniai beginnt schon Šilutė. In Pagryniai laden einige Landtourismushöfe zum Übernachten ein.

Mažiai-Jonaičiai

Kurz nach dem Dorfeingang gibt es rechts der Hauptstraße eine großes, rotes Backsteinhaus: Das ist der Geburtsort von Vydūnas (s. Bitėnai) (Vydūno gimtinė (17). Hier wurde 1868 der berühmte Philosoph und Schriftsteller geboren. Anlässlich des 100. Geburtstages wurde an dem Gebäude eine Gedenktafel enthüllte. Im 19. Jh. befand sich hier die Grundschule von Jonaičiai. Nach dem Besuch der Heimat von Vydūnas, muss man auf dem gleichen Weg bis zur Kreuzung mit der Umgehungsstraße zurückkehren. Dort nach rechts. Auf der Umgehungsstraße werden Sie nach 1,5 km den Wegweiser nach Macikai sehen.

Macikai (Matzicken) [1411]

Vor Šilutė geht es nach links zu diesem Gut. Hier ist der deutsche Schriftsteller Hermann Sudermann geboren, der vor dem ersten Weltkrieg das Leben der einfachen Litauer in dieser Region beschrieb. In der Gegend lebten schon im 13. Jahrhundert Menschen, später stand hier ein großer Gutshof, der im 17. Jh. für seine Hopfen- und Bierproduktion berühmt wurde. Mitte des 19. Jh. arbeitete der Vater des Schriftstellers Hermann Sudermann („Die Reise nach Tilsit“ und „Litauische Geschichten“) hier als Braumeister. Am Anfang des Dorfes steht links am Weg das Geburtshaus von H. Sudermann (H.Zudermano gimtinė (18), der hier 1857 geboren wurde. Es gibt eine kleine Gedenkausstellung. Macikai ist aber nicht nur wegen H. Sudermann berühmt. In der Zwischenkriegszeit war hier das litauische 7. Regiment “Fürst Butigeidis” stationiert. Als das Memelland nach einem Ultimatum an Litauen 1939 wieder an Nazi-Deutschland fiel, wurde hier (bis 1944) ein Kriegs­gefangenen­lager eingerichtet. Hier litten Polen, Engländer, Franzosen, Russen und andere Nationen. Die Haftbedingungen waren schlecht, in den umgebenden Feldern wurden über Tausend Verreckte vergraben. Aber die Zeiten wurden noch schlechter – mit der Besetzung Litauens durch die Sowjetunion. 1944 flüchtete der Großteil der Bewohner nach Westen. Die blieben wurde als Deutsche eingestuft und zwischen 1944 und 1955 terrorisiert. In Macikai wurde ein sowjetisches Lager eingerichtet, in dem vor allem deutsche Kriegsgefangene und litauische Widerständler ihr Martyrium antraten. Das Lager wurde ausgebaut und immer mehr Menschen wurden am Ende des Dorffriedhofs beerdigt. Unter ihnen war auch der wegen “antisowjetischen Aktivitäten” bezichtigte Poet und Gründer der Museum “Alka” in Telšiai, P.Genys. Heute ist nur ein Gebäude dieses Lagers erhalten. In ihm befindet sich ein Musem (Macikų lagerio karceris – muziejus (19) (Filiale des Museum Šilutė, Tel. 8-441-62209). In Macikai kann man übernachten auf dem “Urlaub auf dem Lande”- Höfen von E. Petravičienė und V. Vėtrinienė. Danach muss man zur Hauptstraße zurückkehren und weiter fahren.

Šilutė (Heydekrug)

Der Name stammt von einem Gasthof, die hier stand („Der Krug auf der Heide“). 1511 gab die Komtur von Memel dem Händler G. Talat das Recht, einen Gasthof zu betreiben. Dieser stand an der Kreuzung der Wege von Memel (Klaipėda), Tilsit (Tilžė, Sowjetsk) und Russ (Rusnė), also an der Stelle, wo heute die Kreisverwaltung (rajono savivaldybė) steht. Lassen wir Dietmar Albrecht von seiner Reise in ein untergegangenes Land erzählen: „Heydekrug, Šilutė, überrascht mit dem kaum lädierten Bild einer preußischen Landstadt. Den weiten Markt rahmen die Häuser der Händler und Honoratioren, prominent an der Südseite das zweistöckige Haus des Ökonomierates Scheu, mit Anklängen ans Rokoko hier am Ende der Welt.“ An der Hauptstraße stehen alle wichtigen Gebäude: Amtsgericht und Gefängnis (1848), Feuerwache (1911), die alte Post (1905). Pastorat, evangelische Kirche (geweiht 1926). Der 50 m hohe Kirchturm hat drei Glocken und eine Uhr, die jede Viertelstunde schlägt. Der alte Markplatz mit seinen Gebäuden, der Hafen, der Bahnhof und die Brücke wurden 1875 errichtet, die Brücke über den Fluss Šyša 1914, das erste Gymnasium 1924.“ Nach Šilutė fährt man über die Vilniaus gatvė. Früher befand sich das Dorf Verdainė. 1566 bekam J. Hinkmanas das Recht hier eine Kneipe zu eröffnen und in der Šyša zu fischen. Der Krug von Verdainė gehörte später dem Urgroßvater von Immanuel Kant, dem genialen Philosophieprofessor der Universität Königsberg, dessen Ideen sicherlich die Welt der Menschen verändert haben. Zum Gedenken an ihn wurde vor dem Krieg die Straße in “Kantstraße” umbenannt. Anfang des vergangenen Jahrhunderts befand sich in einer der Kneipen das Restaurant „Villa Werden“. Hier konnte man nicht nur Tee trinken, sondern den Nachrichten aus Königsberg, Berlin oder London lauschen, denn hier stand einer der ersten Radioapparate im Land diesseits der Memel. Weiter geht es auf der Tilžės gatvė (Tilsiter Straße), bis man rechts den evangelischen Friedhof (8) sieht. Als lokale Größen liegen hier: der Buchhändler und litauischer Exlibris-Vorreiter F.A.Štalis (1848–1905) und seine Frau Marija (1864–1929) sowie der Drucker K.Sekuna (1833–1908). Auf diesen Gräbern stehen Holzkreuze. Auf diesem Friedhof befindet sich auch das Familiengrab der Sudermanns.Wer in die Nemuno gatvė abbiegt, der kommt zum Neuen Friedhof (Šilutės naujosios kapinaitės). Hier liegen der Aufklärer und Heimatforscher P.Jakštas (1889–1988), der litauische Verteidigungsminister Generalleutnant P.Šniukštas (1878–1952), der litauische Militärflieger und Vertriebene K.Lekšas (1914–1994), der Professor K.Balkus–Balčiauskas (1920–1997). Gegenüber vom ev. Friedhof auf der anderen Straßenseite der Tilžės gatvė steht die neogothische Katholische Backsteinkirche (katalikų bažnyčia (9) aus rotem Backstein von 1854. Im Heiligtum wurde 2001 ein Denkmal für die Opfer der Okkupationen errichtet, das Christus mit verbundenen Händen darstellt. Um die katholische Kirche befand sich früher das Dorf Žibau. Noch im 19. Jh. wurde das Regionalkrankenhaus aus Rusnė nach Žibai verlegt und das Bezirksgericht gebaut, in dessen Mauern sich heute die Tourismus- und Haushaltsschule (Šilutės turizmo ir buitinių paslaugų mokykla (Lietuvininkų g. 72) befindet. Daneben befindet sich das Hotel „Nemunas“ (Lietuvininkų g. 70). Auf der anderen Straßenseite: Theater und Kunstgalerie (dailės galerija). An der Bibliothek steht noch immer der Vorkriegssockel der ehemaligen Gas-Straßenbeleuchtung. Im alten Zentrum (Altstadt, senamiestis (10), auf der heutigen Lietuvininkų gatvė, stehen typische Gebäude aus der Zweiten Hälfte 19./Erste Hälfte 20. Jh: Feuerwache / gaisrinė (Lietuvininkų g. 22), Post paštas (Lietuvininkų g. 23) und Heydekrugmuseum / Šilutės muziejus (11) (Lietuvininkų g. 36, tel. 8-441-62209). Heute sind hier verschiedene archäologische Fundstücke, Münzen, Schriften, Fotos, Volkskundedinge und Volkskunstsammlungen zusammen gesteckt. Die Firma UAB „Šilutės melioracija“ hat im Verwaltungsgebäude eine Ausstellung über Bodenverbesserung eingerichtet. Im Zentrum steht die ev.-luth Kirche (12), die für das Stadtsymbol gehalten wird, Bauplan von K. Gutknecht. Erst vor einigen Jahren wurden Kirchenkreuz und Turm restauriert, die Wände neu getüncht. In den Goldball unter dem Kreuz wurden die neusten Ausgaben der Zeitungen „Šilokarčema“ (Heydekrug), „Pamarys“ (Küste), „Klaipėda“ (Memel), „Vakarų ekspresas“ (Westexpress) gelegt, in denen die Restaurierungsarbeiten beschrieben wurden, sowie ein Geldsäckchen mit heutigem litauischen Geld. In der Kirche kann man ein Fresko vom R. Pfeiffer, Professor der Universität Königsberg, bewundern. Im Park neben der Kirche wurde 1996 das Denkmal für Hermann Sudermann / paminklas H.Zudermanui (13) wieder errichtet. Er wurde berühmt für die literarische Darstellung des Lebens der Landesbewohner vor den Weltkriegen. Aus seiner Gesichte „Die Reise nach Tilsit“ wurde 1976 ein Theaterstück gemacht, 1981 der berühmte Kinofilm “Die Reise ins Paradies” (Kelionė į rojų). In der Nähe des Denkmals für Sudermann wurden 1944 sowjetische Soldaten begraben, die in den Kämpfen um den Ort fielen.

Fast am Ende der Lietuvininkų gatvė, kommt der Stopp am berühmtesten Gebäude: Der ehem. Gutshof von Heydekrug (buvęs Šilokarčemos dvaras (14). Heute befindet sich hier die Biblitohek des Museums und das Kultur- und Tourismus­informations­zentrum (Kultūros ir turizmo informacijos centras) (Lietuvininkų g. 4). Etwas entfernt von der Straße kann man das verfallende Gartenhaus zu besichtigen, das mit der lokal-typischen Dekorverschalung beschlagen ist. Fahren Sie am Ufer der Šyša entlang. Das hier war der Gutspark, genannt Varnamiškis. 1926 wurde der von H. Šojus anläßlich seines 80. Geburtstag offiziell den Stadtbewohnern übergeben. Vorm Krieg wurden in diesem Englischen Garten mit seinen 3 Weihern rund 150 Arten Bäume und Büsche gepflanzt, darunter silberblättriger Ahorn, Burgunder- und Roteichen. Es wurden Spazierwege angelegt, Fußgängerbrücken, ein Sportplatz und ein Schießstand. Zu Sowjetzeiten verfiel alles und auch von den seltenen Bäumen ist nicht viel übrig.

Hinter der Elisabethbrücke / Elžbietos (Elizos) tiltas, wächst in der Nähe der Stadiono gatvė ein Naturdenkmal: die 23 m hohe Eiche Pagrynai (Pagrynių ąžuolas (15)., 1,5 m im Durchmesser.

Erwähnenswert ist noch die Gutshofanlage von H. Šojus (Scheu) von 1818. Šojus, Ehrendoktor der Universität Königsberg und Wirtschaftwissenschaftler, kaufte 1892 den Gutshof, verkaufte aber später einen Großteil an Neusiedler weiter, und lieferte die Grundstücke für den Bau von Bezirkskrankenhaus, Schule, Stadtverwaltung, Feuerwehr, Pfarramt und Kirche. Ihm ist es zu verdanken, dass das Land an der Hauptstraße Tilsit-Memel trocken gelegt wurde, neue Straßen angelegt wurden und entlang des Flusses Šyša ein Schutzdamm errichtet wurde. Die bunte Sammlung des ehemaligen Hausherrn an archäologischen, kartografischen, ethnografischen Material und Möbeln, Stoffen, Haushaltsgegenständen der Kleinlitauer bildet heute das Heimatmuseum. Hier findet man eine Ausgabe der „Postilė” von Jonas Bretkūnas (Johann Brettke) aus dem Jahre 1591, „Lietuvos istorija“ (Geschichte Litauens) von A.Vijūkas–Kojelavičius von 1650 und andere außergewöhnlich wertvolle Bücher. Und natürlich wird er von den Šilutern geehrt: Über H. Šojus fanden verschiedenen Ausstellungen und Konferenzen statt, veröffentlicht wurde das Buch „Garbusis Šilokarčemos pilietis“ (Der ehrenhafte Bürger von Heydekrug”). 1992 wurde für ihn neben dem Gebäude des 1. Gymnasiums von Šilutės ein Gedenkstein aufgestellt mit der Aufschrift: „Im Andenken an den Menschen, auf dessen Land das Alte Heydekrug begründet wurde” (“Atminimui žmogaus, savo žemėje kūrusio senąją Šilutę“). 2000 wurde auf dem Grab von Šojus, auf dem Territorium der ehemaligen Fabrik für Hydraulikgetriebe, ein Gedenkstein eingeweiht; 2001 neben dem Gutshofgebäude das Denkmal für H.Šojus (7), Künstler: E.Daugutis.

Der berühmte Fischmarkt von Šilutė (Heydekrug) existierte fast fünfhundert Jahre. Hierher kamen die Bauern aus Nordlitauen sowie die Fischer von der Russ, aus Minge, Karkle und sogar aus Nida, Karwaiten (von der Kurischen Nehrung) oder noch weiter aus Tapiau/Labguva (heute: Gwardejsk im Kaliningrader Gebiet). Lange Zeit bekam der Ort keine Stadtrechte, die „Konkurrenten“ Memel (Klaipėda) und Tilsit (Tilžė, Sowjetsk) waren dagegen. Erst 1722 und 1818 wurde es zum Kreis- und Bezirkszentrum, und erst 1910 mit dem Zusammenschluss der drei Dörfer Verdainė, Žibai und Cintjoniškės entstand die Stadt Šilutė/Heydekrug. Sie wurde trotz Hunger und Pest, Überschwemmungen und anderer Unglücke zur zweitgrößten Stadt im sog. „Memelland“, günstig gelegen an der Hauptstraße Tilsit-Memel. Am 19. Januar 1923 verkündete nahm das (litauische) Parlament („seimas“) von Šilutė/Heydekrug die Erklärung über die Vereinigung von Memelgebiet (Klaipėdos kraštas) und Republik Litauen mit Autonomierechten. Zur Erinnerung an dieses Ereignis steht ein Gedenkstein für M. Purvinas und M. Purvinienė vor der Gebietsverwaltung.

Westlich des Zentrums von Šilutė fahren Sie über eine Eisenbrücke von Anfang des 20. Jh. Sie ist ein technisch-architektonisches Denkmal. Wer durch die Rusnės gatvė fährt, dem sollte das Denkmal “Nebel” („Pūga“) auffallen. Es erinnert an die ums Leben gekommene Feldärztin und Geburthelferin Z. Petraitienė, die durch den Nebel zu ihren Patientinnen eilte.

Wenn Sie noch ein wenig Zeit haben, dann fahren Sie doch vor oder nach Besuch von Šilutę arba in die Dörfer Mažiai, Jonaičiai und Macikai. Aus dem Stadtzentrum geht das über die Ž. Naumiesčio gatvė Richtung Žemaičių Naumiestis. An der Kreuzung mit der Umgehungsstraße Kaunas-Klaipėda geradeaus ins Dorf Mažiai (6 km vom Stadtzentrum).

Alternative

Wenn Sie Zeit haben, dann legen wir Ihnen sehr an Herz, Insel und Ort Rusnė (dt.: Russ) zu besuchen. Es ergeben sich drei Möglichkeiten: 1) Nach dem Besuch von Rusnė auf dem gleichen Weg nach Šilutė zurück und danach Richtung Klaipėda; 2) Mit einem Boot übersetzen zum Dorf Minija (Minge) oder 3) ebenfalls per Boot zur Kurischen Nehrung (Kuršių Nerija). Fragen Sie im Tourismus-Informations-Zentrum Šilutė nach Möglichkeiten zum Schiffstransport. Auf jeden Fall ist die Weiterfahrt bis Rusnė Pflicht. Vergessen Sie nicht, die beliebteste Speise zu probieren – Räucherfisch. Ihn gibt es in Läden am Meer und bei den Bewohnern direkt. Von Šilutė verläuft die Hauptstraße am Rande des Waldes Žalgiriai. Während des Frühjahrshochwassers findet man den Großteil dieses Weges und seiner Umgebung nur unter Wasser wieder.

Rusnė (Insel Russ)

Rusne ist eine Insel zwischen den Armen der Memel, die sich an ihrer Mündung in ein Delta mit mehreren Armen teilt. Über eine Brücke kommt man auf diese Insel und erreicht den Ort Rusne, ein altes Fischerdorf. In schriftlichen Quellen wurde es zum ersten Mal im 14. Jh. erwähnt. Dass es hier Litauer und Kuren wohnten, davon zeugt der Erlass des preußischen Fürsten Albrecht aus dem Jahre 1544. Mit dieser Vorschrift ließ der Fürst den Gottesdienst auf beiden Sprachen (litauisch und kurisch) abhalten. Wie auch das ganze Memelland, war Rusnė viele Jahrhunderte unter preußischer Herrschaft. Man versuchte, das Land zu germanisieren, aber die Einheimischen blieben ihrer Herkunft treu. Heute kommt man auf die Insel Rusnė (Russ) anders als früher. Lange Zeit gab es keine Brücke, nur Fähren. Heute gibt es hinterm Wald Žalgiris die erste Brücke, die den Namen von K. Grinius trägt. Der Weg führt durch Wiesen, die im Frühjahr überflutet werden. Danach, wenn man den Memelarm, der auf Litauisch Atmata heißt, erreicht hat, gilt es zu bemerken, dass die erste Brücke an dieser Stelle erst 1914 stand. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie gesprengt – und wieder gähnende Leere. Erst 1974 wurde die neue Brücke aus Stahlbeton gebaut (333 m lang, 10 m breit). Auf ihr kommen Sie auf die Insel Rusnė/Russ. Die litauische Herleitung des Namen Rusnės kommt vom Verb „rusnoti“, d. h. langsam fließen. So nannte man den rechten Arm der sich teilenden Memel, später auch die Insel und die Siedlung. Wasser spielt für die Bewohner dieses Ortes eine außergewöhnlich große Rolle. Der Landvermesser Č. Kudaba schrieb: “die Menschen hier wussten lange nicht, was ‘Stein’ ist. Das moderig riechende Wasser war ihnen das leckerste; Fischgeruch in der Küche, in den Höfen und in der Bettwäsche, das ihrige. Mancherorts gingen die Türen der Bewohner und gar dieser Höfe zu den Flussstegen. Sie waren ihre Lebensader.” Rusnė ist einer der ältesten bewohnten Orte am Meer. Zuerst kann man ihn in den Chroniken des Kreuzritterordens finden. Einen Krug gab es sogar ab 1448, früher gar als Heydekrug (heute Šilutė). Außerdem ist bekannt, dass es schon 1419 eine Kirche gab (die Zahl steht noch heute auf dem Kirchturm). In der Umgebung gab es keine Landwirtschaft, trotzdem stieg die Einwohnerzahl. Die meisten arbeiteten in Sägewerken, Mühlen, der Brauerei, der Schnapsbrennerei, stellten Lastkähne her oder fischten. Noch im 19. Jh. war Rusnė größer als Heydekrug und war der größte Ort des Bezirks. Heute kommen hierher gerne Sportfischer und Ökotouristen.

Biegen sie nach der Brücke über die Atmata links ab. Im Zentrum von Rusnė befindet sich die ev. luth Kirche (evangelikų liuteronų bažnyčia (20), errichtet 1809. Aus der Ferne sieht man schon den quadratischen Turm, der die Fassade beherrscht (nach gotischen Architektur­traditionen). In seinem Zentrum gibt es den halbrunden Eingangsbogen. Innen ist sie jedoch sparsam und sachlich ausgestattet, wie bei evangelischen Kirchen typisch. Wegen der Kolonisierungsbestrebungen in Preußen, war im 19. Jh. nur noch knapp die Hälfte der Gemeindemitglieder Litauer. Die Messe wurde morgens auf Deutsch und nachmittags auf Litauisch abgehalten. Auf dem benachbarten Kirchfriedhof haben nur wenige Grabmale bis in unsere Tage überlebt. Noch 1918 wurde eine“Heldenhain” eingerichtet und ein Denkmal für die Soldaten des Ersten Weltkriegs errichtet. An der Kirchenwand wurde eine Marmorplatte mit den Namen aller 186 im Krieg gefallenen Gemeindegliedern angebracht. An der Nordwand kann man immer noch die Grabsteine des Inselpatriarchen E. Anker (1848–1935) und seines Großvaters sehen. Im Kirchhof wurde K. Jurkšaitis (1825–1915) beigesetzt, Sammler von Erzählungen Klein Litauens, Pressemitarbeiter und Sprachforscher. Seine Lehrsammlung “Aš bei mano namai norim Viešpačiui šlužyti“ wird bis in unsere Tage für das schönste Buch Kleinlitauens gehalten.

Fahren Sie durch die Šilutės gatvė. Nach dem gepflasterten Platz kann man die Reste der alten Brücke sehen und hat nebenbei einen wunderbaren Blick auf das Ufer der Atmata. An der renovierten Post stehen immer noch Pfosten und Lampen der alten Beleuchtung. Früher begrüßten sie alle Erste die Gäste des Städtchens. Fahren wir in die K. Donelaičio gatvė, den Schildern folgend kommen wir ins ehemalige Dorf Skirvytėlė. Hier steht das Freilichtmuseum des Fischers (etnografinė žvejo sodyba (21) (Tel. 8-441-58169). Sein Begründer, Dr. K. Banys, macht die Reisenden in diesem Bauernhof mir der Geschichte von Rusnė bekannt, mit dem Alltag und der Kultur der Bewohner. Unter diesem Dach gibt es auch ein unverrückbares Denkmal: Den Schornstein der Räucherei

In Rusnė könne sie in den authentischen Bauernhöfen von Knapkis, L.Šalkauskienė, D. Drobnienė und G. Gečienės übernachten. Nach dem Besuch des Ortes geht es weiter über die Insel Rusnė. Auf dem Weg Richtung Pakalnė fallen die Dämme auf, mit denen die Einwohner sich vor den Überschwemmungen schützen. Ein Großteil davon ist dem schon erwähnten E. Anker(is) zu verdanken. Wegen dieser Wälle wird die Insel Rusnė mitunter auch “Riesenschüssel” genannt.

Pakalnė

Nach dem Dorfeingang links abbiegen und den “Information”- Schildern folgen. Sie führen zu einer ehemaligen sowjetischen Herrschaftsvilla. Heute befindet sich hier das Informationszentrum des Regionalparks Memeldelta/Nemuno deltos regioninio parko informacinis centras (22), in dem es alle Informationen über die Insel Rusnė, ihre Natur und ihre Bewohner geben sollte. Weiter geht’s Richtung Uostadvaris.

Uostadvaris

In Uostadvaris (wörtlich: Hafen-Gut) stand noch im 18. Jh. ein Gutshof. 1939 wurde das Gut den Führer der Memeler Nationalsozialisten E. Neumann geschenkt. Heute gibt es an dieses Gut jedoch nur noch Erinnerungen. Biegen Sie nach den Höfen von Uostadvaris nach links ab. Bald beginnt nach dem Asphalt der Schotterweg. Nach 2 km zeigt sich vor einem der Leuchtturm von Uostadvaris (Uostadvario švyturys (23) – Anfang 19. Jh.) In ihm gibt es heute eine Aussichtsplattform, von der man über das flache Land schauen kann.

Die Wasserpumpenstation (erbaut 1907) von Rusnė ist ein Denkmal, das an den Kampf des Menschen mit dem Wasser erinnert. Der erste Damm (Polder) wurde auf den überfluteten Wiesen nach der katastrophalen Überflutung 1888 erbaut. Es wurden auch Wasserhebetationen benötigt. Und sie ist bis heute in Betrieb: Bei Hochwasser wird das Wasser von der Insel in die Memel gepumpt. Jetzt befindet sich in diesem technischen Denkmal das Poldermuseum (Šilutės polderių muziejus (24). Hier kann man mehr über den Kampf mit dem Wasser erfahren und den original Dampfmotor aus der alten Station besichtigen. Anwohner führen und erzählen.

Leider enden in Uostadvaris auch alle Festlandswege. Wer in Minija weiter fahren will, der muss die Anwohner fragen, ob sie einem mit einem der Boote am Hafen rüber bringen. Oder Sie müssen nach Šilutė zurück und über Kintai nach Klaipėda. Für Besucher des Nationalparks der Kurischen Nehrung kann man auch eine Überfahrt über das Haff nach Nida (Nidden) organsieren. Von Nida bis Juodkrantė gibt es hervorragende Radwege, danach auf der Hauptstraße und per Fähre nach Klaipėda (Memel).