LT2, Teil 11

Quadrat 11. Text

Orte: Stoniškiai – Usėnai – Žemaitkiemis-Jokšteliai-Vyžiai

Stoniškiai

Stoniškiai beginnt gleich hinter Rukai. Ein kleiner Verkehrsknotenpunkt, der im 19. Jh. entstand. An die Vergangenheit erinnert der Bahnhof (geležinkelio stotis), der – ungewöhnlich für diese Gedend – aus gelben Ziegeln gemauert ist. Vom Bahnhof aus sieht man empor ragende Abraumhalden. Es sind Überreste der Zementherstellung. In letzter Zeit wird dieser Rohstoff hier jedoch fast gar nicht gefördert.

Plaškiai

Hinter Stoniškiai kann man abbiegen und 3 km nach Plaškiai fahren. Dorthin führt ein mit Birken gesäumter Asphaltweg, der am Ende zu einer alten Pflasterstraße wird.

Plaškiai wird auch Hauptstadt der Weidebauern genannt, obwohl die Einwohner auch von Handel und Fischerei leben. Bis 1944 lebten die Leute hier nicht schlecht, davon zeugen die an sich schmucken Steinbauten. Die damals gigantische Summe von 72.000 Mark kostete die 1900 gebaute ev. –luth. Kirche (35) im historistischen Stil mit neoromanischen und neogotischen Zügen und mit vielen verzierenden Details. Die wurde 1944 stark beschädigt, litt aber noch mehr zur Sowjetzeit, als aus ihr ein Korn- und Düngerlager wurde. Die Kirche ist umgeben vom vernachlässigten Friedhof. Nach dem Krieg veränderte sich Plaškiai so sehr, dass es heute Anspruch auf den Titel “am weitesten heruntergekommenes sowjetisches Kirchdorf in Litauen” erheben könnte. Gras überwucherte den Marktplatz, verfallen oder abgerissen sind rund ¾ der alten Gebäude und auch die Einwohnerzahl hat stark abgenommen.

Von Plaškiai kann man entweder auf die Hauptstraße Pagėgiai–Šilutė zurückkehren oder den Hauptweg bis Usėnai fahren oder auf der Schotterpiste Richtung Galzdonai durch die Feuchtwiesen (die mitunter von der Memel überflutet werden) bis Šilininkai. Wer keine Lust mehr auf diesen Schotter hat, kann beim Dorf Šilininkai auf dem Asphaltweg zur Hauptstraße zurückfahren. Šilininkai lädt auch zum Rasten an Memel/Nemunas ein.

Usėnai

Der Weg nach Usėnai führt über duftende Wiesen, die im Sommer von farbenfrohen blühenden Blumen verziert werden. Schmale Wege führen zu Einzelgehöften oder verlieren sich in alten Gärten. Die wunderbare Ruhe kann nur von den in der Ferne auf dem Asphalt rollende Autos oder der Eisenbahn gestört werden. Heutzutage rollt man die Hauptstraße entlang und kann sich schwerlich vorstellen, welche Sorgen die Meschen hier früher hatte, als diese Stelle von den Wassern des Flusses bei Überschwemmungen heimgesucht wurden. In Usėnai gab es früher einen Gutshof, einen Marktplatz und mehrere Kneipen (“Kartschemmen”). Außergewöhnlich wichtig war natürlich auch die Ende 19. Jh. gebaute Eisenbahn mit der auch hier ein Bahnhof errichtet wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es hier eine Werkstatt für Landmaschinen und eine berühmte Molkerei, die rund 7ha Platz einnahm. In letzterer arbeiteten die meisten Dorfbewohner. Rechts der Hauptstraße fällt der Blick des Reisenden auf ein Esemble von hölzernen Dachsimsen/medinių stogastulpių ansamblis (1). Es wurde 1976 von žemaitischen (nordwestlitauischen) Volkskünstlern (E. Vaitkus, A. Daukšys, J. Gineitis, J. Ignotas u.a.) angefertigt. Als Widmung stehen am Fuße die Worte des Dichters P. Širvis: „Gemeinsam schneiden wir (den Lorbeer) und flechten den Siegerkranz“. Dazu gilt anzumerken, dass in der Umgebung von Usėnai zwischen dem 12. und 17. Oktober 1944 schwere Kämpfe stattfanden. Die 16. Litauische Schützendivision der Roten Armee verteidigte sich gegen einen Angriff der Deutschen und hielt die wichtige Verbindungsachse Tilsit (heute: Sowjetsk) – Memel (heute: Klaipėda). Leider zermalmte dabei die 159. Panzerbrigade von Polotzk die Wagen und Pferde der Flüchtlinge und sowjetische Soldaten plünderten das Land.

Biegen sie auf dem Weg rechts nach Degučiai ab. Nach 1 km kann man an der Bahnüberführung ein rotes Backsteingebäude vom Ende des 19. Jh. sehen – das sind ehem. Kneipe und Bahnhof. Biegen Sie später nach links Richtung Pašyšiai ab. Am Ende des Dorfes, auf der linken Seite des Weges steht umgeben von Bäumen steht das ordentlich gepflegte Denkmal für die gestorbenen Kinder (paminklas žuvusiems vaikams (2). B.Vidžiūnienė, Dorfbewohnerin von Usėnai erzählte hierzu, dass 1965 Kinder im Wald einen Sprengsatz aus dem Krieg fanden und versuchten, ihn auseinander zunehmen. An dieser Stelle starben sieben Kinder zwischen 10 und 15 Jahren.

Nach dem Denkmal können Sie auf dem gleichen Weg zur Hauptstraße zurückkehren (2 km). Am Weg nach Šilutė steht der Dorftourismushof (kaimo turizmo sodyba) „Senolių pastogė“ (Der Dachboden der Großeltern) von D. Lekevičienė, verziert mit Fachwerk. Hier kann man speisen, übernachten, in die (russische) Sauna gehen oder den litauischen Nationalsport Basketball spielen. In der Nähe, östlich des Hofes, sehen Sie ein kleines, mit Bäumen überwachsenen Hügelchen. Die Anwohner erzählen, dass dort deutsche Soldaten begraben liegen. Dererlei Gräber gibt es in der Umgebung sehr viele.

Nach Usėnai gibt es zwei mögliche Routen nach Juknaičiai. Die erste führt auf schlechterem Weg näher an der Memel über die Dörfer Galzdonai, Šilininkai, Paleičiai bei Užliekniai (28 km). Die zweite ist die Asphaltstraße nach über Žemaitkiemis (13 km). Bei der Wahl der ersten Route gibt es zu sehen: das Pflanzenschutzgebiet Pleinė, den ehemaligen Gutshof Užpelkis, die volkstümlichen Bauerhöfe von Šilininkai, das ehem. Pfarrhaus von Paleičiai und eine alten Laden… Außerdem ist dies eine Ecke Kleinlitauens (des Memellandes), die selten von Touristen besucht wird. Hier entfaltet sich die Schönheit der Natur der Memel / des Nemunas. Der Weg über Žemaitkiemis ist weniger interessant, aber man kommt schneller nach Juknaičiai.